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Denksteinenthüllung für Dr. Günther und Lilli Brann
Mittwoch, 6. April um 14.00 Uhr
Margaretenstr. 59 a, 18057 Rostock

Der Verein der Freunde und Förderer des Max-Samuel-Hauses e. V. lädt alle Interessierten ein, an der Enthüllung von zwei Denksteinen teilzunehmen. Die Verlegung der Steine wurde von Prof. Michael Rauscher ermöglicht. Schülerinnen und Schüler der Europaschule Rövershagen werden die Einweihung inhaltlich gestalten.

Wir bitten die TeilnehmerInnen, die aktuellen Corona-Maßnahmen zu beachten.


Yad Vashem Günther Brann       Yad Vashem Lilli Brann

Fotos: Yad Vashem

Günther Brann, Sohn des jüdischen Kaufmanns Joseph und seiner Frau Blanda Brann, wurde 1892 in Berlin geboren. Er studierte ab 1916 Medizin in Rostock und war hier bis 1927 an der Hautklinik tätig. Seine spätere Frau Lilli lernte er während des Studiums kennen. Lilli Appel, 1898 in Altona geboren, stammte ebenfalls aus einer jüdischen Familie. Ihr Vater war in Altona praktischer Arzt.
Sie heirateten und gründeten eine Familie. Die Söhne Eberhard und Conrad kamen zur Welt. Vor ihrer Heirat wechselte Lilli zum evangelischen Glauben, Günther blieb jüdisch. Für sie spielte der Glaube keine Rolle. Auch die Söhne wurden in diesem Sinne erzogen.
Ab 1923 wohnte die Familie in der Margaretenstraße 59 a in der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Sie ist bis 1929/30 in den Adressbüchern unter dieser Adresse vermerkt.
1927 wechselte Günther Brann an das St. Georg Krankenhaus in Hamburg. 1930 gelang es ihm eine eigene Praxis für Haut- und Geschlechtskrankheiten zu eröffnen und war gleichzeitig leitender Oberarzt am Harburger Krankenhaus – die Familie zog nach Hamburg.
Die Branns hatten ab 1933 die antijüdischen Gesetze der Nationalsozialisten zu befolgen. Sie galten als Juden. Im April 1933 wurde Günther Brann aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die kassenärztliche Zulassung entzogen und aus seiner Stelle am Krankenhaus entlassen. Er musste seine Hautarztpraxis aufgeben. Günther und Lilli Brann schickten ihren ältesten Sohn auf ein Internat in die Niederlande und planten, nach Italien auszuwandern.
Günther Brann studierte in den nächsten Jahren an der Universität in Rom, um dort als Facharzt eine Praxis eröffnen zu können. In dieser Zeit ließ sich Lilli Brann in Hamburg zur Reisekauffrau ausbilden. 1937 zogen Lilli und Günther Brann mit dem 12jährigen Conrad nach Rom. Sie konnten dort jedoch kein neues Leben aufbauen, da sie bald von Ausgrenzung und Verfolgung der italienischen Faschisten bedroht waren. Sie schickten Conrad über Paris nach London. Der ältere Sohn, Eberhard, emigrierte 1938 aus den Niederlanden in die USA.
Zu spät versuchten Lilli und Günther Brann ebenfalls aus den Niederlanden in die USA zu Verwandten zu fliehen. Der Kriegsausbruch 1939 und die Besetzung der Niederlande ein halbes Jahr später vereitelte diesen Plan. Das Ehepaar musste untertauchen. Sie konnten sich drei Jahre verstecken.
Am 20. Mai 1943 wurden sie im Durchgangslager Westerbork inhaftiert, am 4. September 1944 nach Theresienstadt deportiert. Von dort aus wurden sie wenige Wochen später, am 16. Oktober, nach Auschwitz gebracht. Lilli Brann wurde in Auschwitz am 18. Oktober 1944 ermordet, Günther Brann dort am 30. Oktober erschossen.

Seit 2015 gibt es Stolpersteine für Lilli und Günther Brann in Hamburg.